Zeitzeugenprojekt in Neustrelitz

Zeitzeugenprojekt in Neustrelitz

„Der Film ist der Film“ – mit diesen Worten begrüßte Filmemacher Hans-Erich Viet das Publikum am 28.05.2019 in der Kachelofenfabrik zu seinem Dokumentarfilm „Der letze Jolly Boy“. Den Film, der die Lebensgeschichte des Holocaust-Überlebenden Leon Schwarzbaum zeigt, stellte er bereits am Tag zuvor in der JVA Neustrelitz vor.
Im Rahmen eines Projektes zur politischen Bildungsarbeit lud Frank Selig, Mitarbeiter der AWO Vielfalt MSE gGmbH, den Filmemacher und den 98jährigen Zeitzeugen Leon Schwarzbaum nach Neustrelitz ein. Frank Selig ist Schulsozialarbeiter in der JVA Neustrelitz und hat mit jugendlichen Strafgefangenen vor der Filmaufführung sensibilisierend zu diesem Thema gearbeitet. Eine Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung ermöglichte die Umsetzung des Projektes, welches darauf zielte, eine Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust zu initiieren und einen emotionalen Zugang bei den Strafgefangenen anzuregen.
Am 27.05. wurde der Film unter der Moderation von Pastor Vogel in der JVA aufgeführt. Der Film zeigt auf verschiedenen Ebenen die Auseinandersetzung und Bewältigung des Zeitzeugen Leon Schwarzbaums mit seinen Erfahrungen im 2.Weltkrieg. Der Zuschauer begleitet ihn bei Besuchen verschiedener Stationen seiner Vergangenheit darunter auch des Konzentrationslagers Ausschwitz sowie bei Begegnungen mit Strafgefangenen, beim Strafprozess gegen einen SS-Mann sowie bei einem Auftritt in einer Talk-Show. Dabei ist zu wahrzunehmen wie Leon Schwarzbaum sich mit seiner Vergangenheit und ihren Spuren bis in die Gegenwart auseinandersetzt und sich für ein Erinnern der Generation von heute an das damalige Geschehen einsetzt. Die jungen Strafgefangenen, die meist ganz andere Filmformate konsumieren, verfolgten aufmerksam und interessiert den ca. 100 Minuten. Im Anschluss stellten sie Fragen an Hans-Erich Viet. Krankheitsbedingt konnte der 98jährige Leon Schwarzbaum nicht persönlich dabei sein.
Das Publikum am 28.05. in der Kof zeigte sich berührt, in nachdenklicher Betroffenheit und stellte viele Fragen. Hans-Erich Viet, der über vier Jahre gemeinsam mit Leon Schwarzbaum drehte und freundschaftlich mit ihm verbunden ist, gab Auskunft und beschreibt welche Zeit es für Leon Schwarzbaum brauchte, um über diese Ereignisse sprechen zu können und wie heilsam und entlastend der Prozess des Erzählens für ihn ist.
Bei aller Schwere des Themas und der Betroffenheit, die das Schicksal Leon Schwarzbaums auslöst, erreicht der Film zum Ende hin eine vitalisierende und lebensbejahenden Kraft, die sich unter anderem in den Worten Schwarzbaum ausdrückt: „Ich habe damals nur an das Leben gedacht. Ich wollte leben.“
Herzlichen Dank an Frank Selig für dieses Engagement, der Bundeszentrale für politische Bildung für die Unterstützung sowie an die JVA Neustrelitz und die Basiskulturfabrik für die Kooperation.

Zurück